Der Ursprung von Caorle geht auf die Römerzeit zurück, wie es zahlreiche in der Gegend wieder gefundene, aus dieser Epoche stammende Fundstucke bezeugen. Dank seiner Nahe zu Concordia Sagittaria, welches bereits zur Römerzeit ein bekannter Hafen war, gewann Caorle, das durch den Fluss Lemene mit dieser Stadt verbunden war, immer mehr an Bedeutung. Die Entstehung von Caorle ist auf die Volkerwanderungen zurückzuführen, als sich die Bewohner von Concordia, um sich vor den Invasionen der Barbaren zu Schützen, in die Lagune von Caorle zurückzogen. (Das gleiche solite sich einige Jahrzehnte später mit dem Gebiet Rialto - dem späteren Venedig ereignen). Von nun an nahmen die Beziehungen zwischen Caorle und den benachbarten auf dem Küstengebiet gelegenen Städten, aus denen Jahrzehnte später die Republik Serenissima entstehen sollte, und zwar insbesondere mit Rialto (dem späteren Venedig) einen deutlichen Aufschwung, indem es aktiv an deren politischem und wirtschaftlichem Leben teilnahm. Die Wirtschaft von Caorle basierte einst nur auf Fischfang, der sowohl in den Lagunegebieten, als auch im Meer betrieben wurde, und die Wechselfälle des politischen Lebens, die die Stadt in den Jahrzeiten durchlaufen sollte, waren eng mit diesem Wirtschaftssystem verbunden. Das Bauwerk der Stadt stellt die romanische, dreischiffige, im XI. Jahrhundert gegründete Kathedrale und einst Bischofssitz dar. Von den wertvollen Gemälden, mit denen sie in frühester Zeit in ihrem Inneren verziert war, sind heute nur noch einige Reste an den Absiden sowie an den Wanden bei m Eingang geblieben. Neben der Kathedrale ragt in seiner zylindrischen, fast einzigartige n Form der majestätische aus dem XI. Jahrhundert stammende Kirchturm. Der Sockel besteht aus massiven Steinblöcken, die höchstwahrscheinlich die Reste eines antiken auf die römische Zeit zurückgehenden Turms sind, der ursprünglich wohl als Leuchtturm fUr Seefahrer bzw. als Wachturm über Meer und Festland gedient haben solI. Der restliche Schacht wurde mit Ziegeln errichtet, die von ein-und zweibogigen Fenstern, blinden und offenen Fenstern, die durch Säulen mit Kapitellen getrennt sind, durchbrochen werden. Eine kegelförmige Spitze aus Tonfliesen verziert den Turm, den man, von welcher Seite der Stadt man ihn auch erreicht, immer als erstes sieht, ein stets besonderer Anblick, wenn er von den kleinen Gassen oder von einem Fenster gesichtet wird. Ein weiteres, wichtiges Bauwerk von Caorle stellt die, ursprünglich "San Michele Archangelo", heute "Madonna dell'Angelo" genannte Wallfahrtskirche dar. In einzigartiger Lage, auf einem kleinen Kirchenvorsprung gelegen, zeugt die Kirche, die heute immer noch ein Orientierungspunkt fUr Seefahrer ist, von dem starken Bezug zum Meer, den die Bewohner Caorles seit jeher in sich fühlen.

Die Legende erzählt, dass der Marmorsockel, welcher in der Kirche heute noch zu sehen ist, in ferner Vergangenheit von Fischern im Meer treibend mit einer von einem Lichtstrahl umgebenen Madonna gesichtet wurde. Niemandem unter den Erwachsenen, sondern nur einigen Kindern gelang es, den schweren Sockel aufzuheben und ihn in die Kirche zu tragen, wo er sich heute noch befindet. Der Überlieferung nach soll die Kirche einst die Bevölkerung vor einer verheerenden Überschwemmung, die die ganze Stadt getroffen hatte, gerettet haben, seitdem stellt sie fUr die Bewohner von Caorle eine Statte des Schutzes, der Geborgenheit und der Zuflucht dar. Eine besonders eindrucksvolle Kulisse bietet die Altstadt, die mit ihren einfachen, wenn auch nicht pompösen Gebäuden, den typisch venezianischen Stil widerspiegelt. Die malerischen Hauser, deren pastellenen Farben stark voneinander abweichen, die engen Gassen und Plätzchen sind typisch architektonische Merkmale, die man auch in anderen im Lagunengebiet gelegenen, an die Fischerei gebundenen Städtchen wieder findet. ln den letzten zwei Jahrzehnten wurde im unmittelbaren Hinterland das sumpfige, unfruchtbare Gebiet infolge von zahlreichen Trockenlegungsarbeiten in fruchtbare Felder umgewandelt, die der Wirtschaft des Landes einen neuen Schwung brachten, wobei einige von venezianischen Adelsfamilien, wie z. B. Corniani gegründeten Wirtschaftszentren wesentlich dazu beitrugen. In der zweiten Hälfte des XX. Jahrhunderts hat sich ein neuer Wirtschaftszweig, und zwar der Fremdenverkehr entwickelt, der der Stadt einen beträchtlichen Wohlstand brachte und die Zahl der Beherbergungsbetriebe explosionsartig steigen ließ. Die Stadt ist heute einer der meistbekannten an der oberen Adria gelegenen, von nationalen sowie internationalen Gasten beliebten Badeziele. Aufgrund des starken Fremdenverkehrs hat die Stadt weiter westlich expandiert, wobei in den letzten Jahrzehnten neue Ferienanlagen wie Porto Santa Margherita, Duna Verde und Altanea. entstanden sind. Heutzutage, nachdem die touristische Infrastruktur einen hohen Entwicklungsgrad erreicht hat, werden zunehmend Initiativen zur Förderung alter Kulturen und Traditionen, sowie zum Schutz der wertvollsten Naturgebiete, ins Leben gerufen. Auch das unmittelbare, von Landwirtschaft stark geprägte Hinterland wurde in den letzten Jahren wieder entdeckt: die Landschaft mit ihren weitläufigen, unbegrenzten Feldern, fern von der Hektik der Stadtzentren bietet Anblicke von einmaliger, antiker und rar gewordener Schönheit.

Der Glockenturm der Kathedrale Caorle
Der Schrein der Madonna von der Angel Caorle
Balkone bunten Häusern Caorle
Mädchen spielen am Strand von Caorle